P R E S S E S T I M M E N ...in Auswahl
der FREITAG
Beate Tröger am
13.10.2011
..."Wenn Gomringer ihre Stimme hebt und senkt, die Worte dehnt und drängt, kommt mit Leichtigkeit daher, was zugleich ganz und gar ernst gemeint, ernst gedacht, ernst gemacht ist. Der poetologische Essay Lyrik und Larynx vermittelt eindrücklich die Ernsthaftigkeit in der dichterischen Vorgehensweise der so begabten und begeisternden Autorin, die auch als Poetikdozentin lehrt.Es ist die gleiche leidenschaftlich-leichtfüßige Ernsthaftigkeit, mit der Nora Gomringer auch mehrere Jahre als Poetry Slammerin aufgetreten ist und wofür sie in diesem Jahr von der Jury des Jacob-Grimm-Preises ausgezeichnet wird. (...) Der vorliegende Band zeigt aufs Lesbarste, was den Hintergrund einer Autorin geprägt hat und ausmacht, die in ihrem Eigensinn nicht nur eine Brücke zwischen der „Spoken Word-“ und der traditionellen Dichtung geschlagen hat. Sie erzählt in mehreren Texten auch von ihren Beobachtungen auf Reisen durch die reale Welt und die der Sprache, vom stetigen Vorantreiben des Suchens und Findens des eigenen Tons, von allem, was „menschlich und poetisierbar, weil mit Sehnsucht zu betrachten“ ist. (...)"
http://www.freitag.de/kultur/1141-artikel-troeger
Bielefeld
Lustvolle Klanggewitter
»Wege durch das Land« mit Martina Gedeck, Nora Gomringer und Martin Grubinger -
Montag, 23. Mai 2011
(...) Die junge Lyrikerin und Poetry-Slammerin Nora Gomringer (30) tut dies mit Lust und Bravour. Mit kurzen, sprachgewaltigen Klanggewittern fesselt sie die Aufmerksamkeit des Publikums. »Ich könnte etwas Erstaunliches mit der Sprache machen«, sagt sie und reflektiert damit geistreich und gleichermaßen hysterisch-atemlos ihre eigene Profession, um dann in ihrer unnachahmlich temperament- und humorvollen Art in die Niederungen des Alltags vorzudringen. Liebesleid und Liebeslust bringt die Wortakrobatin gewieft auf den Punkt, schnörkellos und stets mit Witz trifft sie ins verwundete Herz. Nichts und niemand bleibt verschont: nicht der Literaturbetrieb, nicht die moderne Familie, die ihre Kinder »zweisprachig anschreit«, nicht die Marotten des Individuums und der Gesellschaft. In mitreißender, frischer Vortragsweise, mit wandelbarer Stimme und schauspielerischem Talent kreiert Nora Gomringer eine neue sprachliche Klangkunst, die Spaß macht. Auch fällt ihr die direkte Publikumsansprache nicht schwer und auf das plötzlich Klingeln des auf der Bühne zurückgelassenen Handys von Martin Grubinger reagiert sie fröhlich und gelassen. Gegen diese Natur-Charme-Offensive wirkt Martina Gedeck (49) wie ein züchtiges Fräulein aus den 50er Jahren. (...) Uta Jostwerner
in der FAZ vom 18.2.2011:
Kritik in Kürze -
Lyrik gut durchlüften
Wer beim Lesen des Wortes „Lyrik“ für gewöhnlich zum nächsten Artikel übergeht, sollte jetzt trotzdem weiterlesen. Denn Nora Gomringer überbringt mit „Nachrichten aus der Luft“ geist- reiche und vitale Verse, die dazu geeignet sind, Lyrikhemmschwellen einzu- ebnen. In drei Teilen, „Luftbrücke“, „Luftwege“ und „Luftspiegelung“, umkreisen die Gedichte Alltagserfahrungen der Liebe, in fremden Ländern und Erfahrungen der Dichterin in der Rolle als Frau. Als Gomringer Ende August den Nachfolger von „Klimaforschung“ (2008) beim Erlanger Poetenfest vorstellte, klang sie selbst noch etwas skeptisch: Nun sei es da, das neue Kind mit den Eigenheiten, die es noch lieben zu lernen gelte. Die Autorin sei beruhigt: Liebenswert ist schon die ideenreiche typographische Gestalt des Bandes, erst recht dessen Inhalt. Eindrücke und Gedanken sind überzeugend verdichtet. So steht man längst im Bann der Worte, ehe man merkt, dass hier sprachlich und emotional durchaus vertracktes Terrain betreten wird. „Sex.doc“ etwa verhandelt nicht nur das komikträchtige Problem, wie sich zwei Körper am besten aneinander anpassen lassen. Zur Sprache kommt in diesem Gedicht auch, welche emotionalen und kommunikativen Klippen beim Sex womöglich umschifft werden müssen. Spielerisch und feinfühlig entfaltet und verschiebt Gomringer Wortbedeutungen und schärft so die Wahrnehmung des Lesenden. (Nora Gomringer: „Nachrichten aus der Luft“. Voland & Quist Verlag, Leipzig 2010. 80 S., CD, geb., 15,90 €.) btro
Zum Abend mit Christian Uetz in Göttingen, Anfang Oktober 2010:
http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Kultur/Regionale-Kultur/Ungewoehnlich-und-hemmungslos
---"(...)Sie lässt Sätze, Wörter, Laute wirken. Ihre Blicke sprechen Bände, ihre Präsenz ist großartig. Man wundert sich, was sie alles mit Sprache anzustellen vermag. Da stehen Lautmalereien wie „Laaangsaaamkeeeiiit“ an der Tagesordnung, da wird gesungen und mal eben in anderen Sprachen gesprochen. Ihr Themenspektrum ist breit, ihre Texte sind zuweilen drastisch („we are all underpaid, overworked and underfucked“), dann amüsant, pointiert, aber auch manchmal ganz fragil und romantisch: „Glück: Wissen, dass du noch ein Bier lang im Raum bist.“ - Marie Varela Göttinger Tageblatt
Zu NACHRICHTEN AUS DER LUFT:
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/buecherherbst_2010/im_reizklima_von_aura_und_ariel_1.7800683.html
..."Nora Gomringer, Jahrgang 1980, Tochter des Vaters der konkreten Poesie Eugen Gomringer und der Germanistin Nortrud Gomringer, unter acht Geschwistern das jüngste Kind und einzige Mädchen, gehört zu den erstaunlichsten Luftgeistern in den Sphären der zeitgenössischen Lyrikproduktion. (...) Mit «Nachrichten aus der Luft» legt sie einen Gedichtband vor, der Anschluss sucht (und findet) an die Klassiker der Moderne. (...) Grund oder Glutkern der Verse bleiben die unterschiedlichsten Fragmente ungelöster, erstaunlicher, berührender Alltagserfahrungen, die sich eine Antwort in der Sprache suchen. (...)" - Angelika Overath NZZ
http://titel-magazin.de/artikel/6/7973/nora-gomringer-nachrichten-aus-der-luft.html
..."Auch der Gomringersche Herbst ist Gold wert: Ihr gerade erschienener Gedichtband fängt Nachrichten aus der Luft ein – Stimmungen von heiter bis wolkig über Gewitter³ bis zu lachendem Sonnenschein; internationale Luftströmungen umgeben Nora Gomringers Wortflugkünste. (...)" - Verena Meis Titel-Magazin
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Zu KLIMAFORSCHUNG erschienen 2008 bei Voland & Quist:
--FAZ, 03.11.2008
Nora Gomringer geht in sympathischer Weise mit einer bestimmten lyrischen Tradition um, wenn sie sich in ihren Texten beispielsweise mit Ernst Jandl, Franz Hohler oder Friederike Mayröcker auseinandersetzt: Das Ergebnis wirkt erstaunlich leichtfüßig und frei heraus.
--Die Zeit, 06.11.2008
Nora Gomringer betreibt Klimaforschung. In ihrem neuen Gedichtband erkundet sie die Großwetterlagen der Liebe, des Alltags und der Politik. Ein gelungenes Projekt.